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Roboter feiern auch Weihnachten

von Marco

Bei den Radebeuls war schon richtige Weihnachtsstimmung eingezogen. Das große Wohnzimmer hatte Mama letzte Woche schon herausgeputzt und es duftete nach Kerzen, Plätzchen und Bratäpfeln. Alle waren da. Oma kam bereits vor vierzehn Tagen, um Emil zu zeigen, wie man Plätzchen bäckt. Die beiden großen Kinder, Max und Anna, die auswärts studieren, waren gestern nach Hause gekommen. "Max, hast du schon alle Geschenke für die Familie?" fragt Anna. Max schüttelt mit dem Kopf. "Kannst du das nicht für mich mit erledigen? Ich muss noch mit Papa die Eisenbahn aufbauen, den Weihnachtsbaum beim Förster holen und schauen, ob der Christbaumschmuck und die Lichterketten noch in Ordnung sind." "Nein," mault Anna. "Ich soll immer alle Dinge regeln. Ich konnte auch noch nicht einkaufen gehen und weiß auch nicht, wann ich das machen soll. Ich muss Mutti noch so vieles helfen." Da fällt Max ein: "Warum schicken wir Emil nicht? Er hat doch schon die Stadt- und Einkaufslizenz. Emil wurde vor einigen Jahren als Familienreinigungsroboter angeschafft. Inzwischen darf er aber schon Betten machen, den Hund ausführen, die Zimmerpflanzen gießen, Rouladen kochen, Apfelkuchen backen, mit Papa Schach spielen, Mamas Haare frisieren und seit Anfang Dezember sogar selbständig einkaufen. Ganz maschinen mäßig macht Emil sauber. Als er jedoch das erste Mal Rouladen kochte und der leckere Duft aus dem Topf aufstieg, war plötzlich so etwas wie ein glücklicher Gesichtsausdruck bei Emil zu entdecken. Beim angenehmen Geruch des ersten warmen Apfelkuchens zeigte sich nicht nur dieses glückliche Gesicht. Es war auch ein leichtes, wohliges Brummen zu hören. Seitdem zeigte Emil immer häufiger eine Art menschlicher Regung auf die unterschiedlichsten Geschehnisse. Max und Anna schickten Emil in die Stadt, ein Geschenk beim Händler um die Ecke für Mama, Papa und Georg, den kleinen Bruder, zu holen. Endlich war der Weihnachtsabend da. Festlich angezogen wartete die Familie vor der Wohnzimmertür auf das Läuten des Glöckchens. Klingeling, die Tür ging auf und wie in jedem Jahr strahlte der geschmückte Weihnachtsbaum und die ganze Familie lag sich glücklich in den Armen und begrüßte den Heiligen Abend. Nun wurden die Geschenke ausgepackt. Den Kindern hatte der Weihnachtsmann einige Wünsche erfüllt. Mama, Papa und Georg öffneten ihre Päckchen, die Emil im Auftrag von Anna und Max besorgt hatte. Da schaute Mama nicht schlecht, als sie da alle Zutaten für einen Rouladenbraten entdeckte. Papa bekam Zutaten für einen Apfelkuchen und Georg alles, was zum Plätzchenbacken gebraucht wird. Beschämt schauten Anna und Max zu Boden. Emil wurde gar nicht beachtet. Und eigentlich möchten doch auch Roboter Weihnachten feiern. Plötzlich stand Georg auf mit einem Päckchen in der Hand und holte Emil heran zur Familie. Emil fand darin ein Paar von Georg selbstgestrickte Handschuhe. "Die kann ich gut gebrauchen. Ich habe gestern beim Einkaufen so gefroren", bedankte sich Emil. Eine Glücksträne lief ihm über sein fast schon menschliches Robotergesicht

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