Mein Studium
In drei Wochen werde ich mein Abitur beenden. Da ich mir einen Studienplatz weit weg von zuhause ausgesucht habe, freue ich mich schon auf den Tag, wo das Studium dann beginnen wird. Nicht dass ich mich nicht zuhause wohl fühle, habe ein Leben ohne elterliche Fürsorge ist doch sicher interessant und abenteuerlich. Das Studium soll in einem großen Ort beginnen, wo es für die Studenten ein extra eingerichtetes Studentenwohnheim gab. Vor einem Jahr bin ich dort hingefahren und habe mir alles angeschaut. Die vielen kleinen Zimmer, die auf langen Fluren rechts und links abgingen, erweckten bei mir den Eindruck einer sehr großen Familie, den alle Türen standen offen und überall war das pure Leben zu spüren. Wenn ich daran zurückdenke, kann ich es gar nicht erwarten, dort endlich auch in eines der Zimmer wohnen zu dürfen. Die vielen jungen Menschen schienen sehr glücklich zu sein, überall war Musik zu hören, das Lachen klang durch den langen Flur, so dass ich mich schon ganz zuhause fühlte.
Da ich noch eine Prüfung vor mir hatte, ging ich nach dem Unterricht schnell nachhause, weil ich nur lernen wollte. Meine Gedanken kreisten aber nur um der Studentenwohnheim, wo ich mir ein Leben im Trubel und Heiterkeit ausmalte. Ich hatte schon viel über das Leben als Student gehört und mit Sicherheit nichts schlechtes. Als ich so lernte, hörte ich die Wohnungstür aufgehen. Meine Mutter kam von der Arbeit nachhause und stellte die Einkaufssachen, die sie unterwegs gekauft hatte, in die Küche. Dann hörte ich sie auch schon rufen und ging zu ihr. Freudestrahlend lachte sie mich an und schien eine Überraschung für mich zu haben. Da sie nicht gleich mit der Sprache ausdrückte, schaute ich sie verwundert an und noch bevor ich eine Frage stellen konnte, platzte es nur so aus ihr heraus. Mit leuchtenden Augen teilte sie mir mit, dass sie mit ihrer Schwester gesprochen hat und diese mich während des Studiums gerne bei sich aufnehmen würde, dem sie wohnte nur 2 km von der Universität entfernt. Ich war so überrascht, dass ich fast vergessen hatte zu atmen. Ich brauchte einfach kein Wort heraus, die Bilder von dem schönen Wohnheim liefen vor meinem geistigen Auge ab.
Was sollte ich nun tun? Um meine Mutter die Freude nicht zu nehmen, denn sie wollte ja nur das Beste für mich, nickte ich nur und fing wieder auf mein Zimmer. Ich konnte förmlich den Blick meiner Mutter hinter mir spüren, aber ich drehte mich nicht um und sagte auch kein Wort. Meine Freude über das bald beginnende
Studium war dahin. Dennoch lernte ich weiter, denn ich wollte ja die letzte Prüfung zum Abitur bestehen.
Den nächsten zwei Wochen kam das Gespräch der Unterkunft während des Studiums nicht weiter zur Sprache. Meine Tante war gerade war uns zu Besuch und nun sollte alles geklärt werden. Als sie mich ansprach und meinem Blick sah, musste sie sofort was in mir vorging. Da meine Mutter noch im Flur war, ging sie ohne ein weiteres Wort zu ihr und ich konnte hören, ich eindringlich auf sie einsprach. Beide kamen mit sehr nachdenklichen Gesichtsausdruck zurück in das Zimmer und bevor meine Mutter etwas sagen konnte, fragte mich meine Tante, ob ich mir schon ein Zimmer im Studentenwohnheim ausgesucht hätte. Verwundert schaute ich sie an, aber sie nickte nur und dem Blick zu meiner Mutter, zeigte mir, dass sie sich auch mit dem Gedanken angefreundet hatte, dass sich doch ins Studentenwohnheim einziehen würde. Stumm ging ich auf meine Tante zu, nahm sie in den Arm und sagte leise Danke.
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