Hektisch eilte ich durch den Laden,
„Eier Milch, Mehl... ach ja Puderzucker und..“Plötzlich wurde mein innerer Einkaufzettel
von eher unweihnachtlichen Klängen unterbrochen. Ich schaute auf
und sah ein schreiendes Kind in einem Einkaufswagen. Das Bild was sich mir bot, war nicht ungewöhnlich:
Eine aufgebrachte Mutter um die 30 die ihr schätzungsweise 3-jähriges
Kind im Wagen zu beruhigen versucht, an der Hand ein weiteres, älteres
Kind. Das Kindergeschrei steigerte sich in höchste Töne und der
kunstvolle Turm von Weihnachtsdekoration im Einkaufswagen fing
wegen der Zappelei des Kindes bedrohlich an zu schwanken . Dann
das Machtwort der Mutter: „ Wenn du jetzt nicht lieb bist,
bringt das Christkind dir nichts!“ Das Ergebnis dieser Aussage
war erstaunlich: Schlagartige Ruhe, gefolgt von einem weinerlichen „Ja, Mami ich möchte doch so gern und das Christkind
soll auch zu uns kommen, ich bin auch lieb! Bitte, bitte!“ Die
Mutter nahm das jammernde Kind in den Am und der Frieden war
wieder hergestellt; dachte ich. „Wenn du jetzt nicht sofort mit
dem Scheiß aufhörst und den Kindern so einen Mist erzählst,
dann nehme ich den ganzen Krempel, der zu Hause liegt und bringe
das Zeug einem Kinderheim oder irgendwo anders hin! Ich habe so
was von die Schnauze voll!“ Das war der Vater, der die Szene
mitbekommen hatte und sich nun mit hochrotem Gesicht , einen
weiteren kleinen Jungen an der Hand näherte. „Dein Theater und
Getue um dieses Scheißweihnachten, mir macht es schon gar keinen
Spaß mehr! Immer mehr und mehr und mehr, nie reicht es dir!“
Ich wollte mich gerade von der unerfreulichen Szene lösen, da
bemerkte ich, dass ich nicht der einzige Zuschauer war. Der alte
Mann, der mir an der Obstwaage schon aufgefallen war ,weil er
krampfhaft sein Portmonee festhielt
und nach jedem Stück, dass er in den Wagen legte sein Kleingeld zählte,
meldete sich zu Wort. „Ja, ja, und das soll nun das Fest der
Liebe sein! Traurig, traurig!“
Während die Mutter sich wortstark rechtfertigte, schlich sich plötzliche
eine gelassene Ruhe in das Gesicht des Vaters. Alle Wut war
verflogen, er ließ seine Frau schimpfen und reden und fuhr
einfach mit den Einkäufen fort. So ging dann jeder seines Weges,
bis ich alle an der Kasse wiedertraf. Die immer noch grimmig
dreinschauende Mutter packte hektisch die Einkäufe vom Band in
den Wagen darauf achtend, dass auch ja kein Dekorationsartikel
Schaden nehmen konnte. Der Vater zahlte mit Karte, hinter ihm der
alte Mann, der dem Kassierer sein abgezähltes Kleingeld für die
bescheidenen Einkäufe in die Hand legte. Die Mutter schimpfte
schon wieder mit den Kindern, während der Vater einen Teil der
schon gezahlten Lebensmittel mit den Worten „Und heute bin ich
Ihr Weihnachtsmann“ in den Wagen des alten Mannes umlud. Dieser
blickte erstaunt hoch und in den sich kreuzenden Blicken konnte
ich endlich „das Fest der Liebe“ erkennen.
Diese Weihnachtsgeschichte ist von
Eva eva_b@web.de
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